Schmetterlingsgarten – Falter fest eingeplant

Schmetterlinge zu beobachten, ist für viele Stadtkinder bereits ein seltenes Naturerlebnis. Doch die bunten Falter lassen sich gezielt in den Garten locken. Mit einer geschickten Pflanzenauswahl wird der Freiraum vor der Haustür zum Schmetterlingsparadies. Juni, Juli und August sind

Schmetterlingsmonate. Über den Lavendelbüschen flattern zahlreiche Weißlinge, ein Zitronenfalter nascht an den Nelken und auf dem Sommerflieder laben sich Fuchs, Tagpfauenauge und Admiral. Der Ort, an dem dieses Schauspiel zu beobachten ist, liegt nicht mitten in der Natur. In einem Hausgarten am Stadtrand von Lübeck haben sich die flatterhaften Insekten zum Blütenbesuch eingefunden. Geplant hat den Garten Heike Baumann, Gartenberaterin aus der Hansestadt.

Die 46-jährige Landschaftsplanerin unterstützt Gartenbesitzer durch Planung und Beratung auf dem Weg zum eigenen Traumgarten. Die Schmetterlinge sind im Laufe der Zeit zu einem Hobby geworden und die vielen dabei gesammelten Erkenntnisse fließen auch in die alltägliche Planungsarbeit ein.

„Ich will keine zu großen Erwartungen schüren, denn natürlich wird aus einem Garten nicht mit einem Schlag ein Faltergarten“, sagt Heike Baumann. Denn, ob der Garten von Schmetterlingen besucht wird, oder nicht, hängt auch sehr stark von der Umgebung ab. „Liegt der Garten in einer freien Landschaft mit abwechslungsreichen Lebensräumen, finden sich einem entsprechend gestalten Garten schon bald unterschiedliche Tagfalter ein“, erklärt die Norddeutsche. Andersherum seien in der Stadt oder in einer von intensiver Landwirtschaft geprägten Umgebung oft nur noch die Allerweltsarten zu beobachten.

Schmetterlinge stehen auf Wildpflanzen

„Gerade für Menschen, die sich pflegeleichte und naturnahe Gärten wünschen, gehören Schmetterlinge zu den wichtigsten Gartenbesuchern“, beschreibt auch Martin Eckardt aus dem nordthüringischen Heldrungen seine Erfahrungen. „Die sind ganz begeistert, wenn ich erzähle, dass man die Pflanzenauswahl gezielt darauf ausrichten kann,“ fährt der Thüringer fort. Damit möglichst viele verschiedene Falter kommen, sollte die Pflanzenauswahl so groß wie möglich sein. Das gilt nicht nur für die Blütenpflanzen, sondern auch für die Arten, an denen die Raupen leben. Einige Schmetterlinge brauchen kaum Unterstützung für die Larven. Die Raupen von Admiral, Kleinem Fuchs, Tagpfauenauge und Trauermantel leben an der Großen Brennnessel, einer noch überall häufigen Wildstaude. Bei diesen Arten muss nur für die Falter der Tisch mit Blüten gedeckt werden.

Auch ein anderer auffälliger Tagfalter lässt sich relativ leicht in den Garten locken. Der weiße Aurorafalter, dessen Flügelspitzen zumindest bei den männlichen Tieren lebhaft Orange gefärbt sind, ist auf Wiesen-Schaumkraut angewiesen; eine in feuchten Rasenflächen durchaus häufige und zugleich attraktive Wildstaude, wie Eckhardt findet. Der mit Kohl und Raps verwandte Kreuzblüter, öffnet im April seine, in weichem Violettrosa strahlenden Blüten. Die Pflanze lässt sich auch gut in Versickerungsflächen oder rund um den Gartenteich ansiedeln. Überhaupt bevorzugen die meisten Schmetterlingsraupen heimische Wildpflanzen. Gartenberaterin Silke Neumann aus dem schwäbischen Rottenburg am Neckar empfiehlt deshalb , aus dem reichen Schatz von weit über tausend erhältlichen Arten zu schöpfen. Diese dürfen natürlich nicht in der freien Landschaft ausgegraben werden, sondern können über spezialisierte Fachhändler – zum Beispiel Wildstaudengärtnereien – bezogen werden.

Für jeden Standort, weiß die Ingenieurin für Landespflege, lassen sich geeignete Arten finden, die nicht nur das Auge erfreuen, sondern auch Schmetterlingen und ihren Raupen Lebensraum und Nahrung bieten. So legt beispielsweise der C-Falter seine Eier gerne an den Hopfen, der sich auf etwas feuchtem Boden am Saum einer eingewachsenen Wildstrauchhecke ebenso wohlfühlt, wie als Sichtschutz um einen lauschigen Sitzplatz im Halbschatten. Genau hier lassen sich später die bizarr geformten Raupen wunderbar beobachten. Der schöne Falter mit der markant gezackten Flügelform und dem weißen „C“ auf der Flügelunterseite findet schließlich seinen Nektar an Heide-Nelken, Tauben-Skabiose oder Wasserdost. An letzterem trifft man möglicherweise auch auf das hübsche Landkärtchen. Wer seinen Garten zudem mit prächtigen Kugeldisteln oder Sumpfdotterblumen ziert, hat gute Chancen den attraktiven

Schmetterling zu beobachten. Leicht zu erkennen ist der Falter an zahlreichen weißen Linien auf rötlichbraunem Grund, die die Flügelunterseite zieren und an eine bunte Landkarte erinnern. Wer dann noch selbst die Brennnessel an einem entlegenen Plätzchen duldet, bietet sogar den Raupen des Landkärtchens ein Zuhause.

Gästen aus dem Süden profitieren vom Klimawandel

Weiter südlich am Bodensee beobachtet Frank Nowotne derweilen einen flüchtigen Gast, der im nördlichen Mitteleuropa immer häufiger zu beobachten ist. Der Klimawandel macht’s möglich, dass das aus dem Mittelmeergebiet eingewanderte Taubenschwänzchen auch in deutschen Gärten regelmäßig zu sehen ist. Wie ein Kolibri steht der Falter mit schnellem Flügelschlag vor der Blüte in der Luft und saugt mit einem langen Rüssel Nektar auf. „Der Südländer fliegt besonders auf Geranien“, erklärt Nowotne, der im Bodenseeraum Schmetterlinge kartiert und gemeinsam mit einer Gartenberaterin aus Überlingen auch Gartenbesitzer berät, wie sich der Wohnraum im Freien schmetterlingsfreundlich gestalten lässt.

An Gäste aus dem Süden sei man am Bodensee gewöhnt, verrät der Diplom-Geologe. Dazu gehören auch einige Vertreter einer besonders auffälligen Nachfalterfamilie, deren Arten mit zu den größten Schmetterlingen in Mitteleuropa zählen. Gemeint sind die Schwärmer, die in warmen Sommernächten schon mal durch den Garten schwirren. Noch viel markanter als die meist graubraunen Schmetterlinge sind deren Raupen. Sie fallen zumeist durch leuchtendbunte Grundfarben, grelle Muster sowie einen nach hinten gerichteten Dorn am Körperende auf. Sind geeignete Futterpflanzen im Garten vorhanden, findet man schon mal eines der meist einzeln lebenden Tiere von Liguster-Schwärmer, Winden- Schwärmer oder Totenkopf-Schwärmer. Nur der schönste unter ihnen, der Oleander-Schwärmer ist in Mitteleuropa eher selten zu beobachten.

Gefahrenquellen minimieren, Lebenräume gestalten

„Wer erstmal gesehen hat, wie artenreich die Nachtfalterfauna ist, wird in Zukunft nicht nur auf die Pflanzenauswahl achten, sondern auch bewusster mit dem Gartenlicht umgehen“, meint Maxi Boroncyk, die im Büro von Christoph Hein in Dresden für die Schmetterlingskartierung zuständig ist. Denn zu Millionen verenden die vom Licht angezogenen Tiere jede Nacht an überdimensionierten Lampen. Wer die schönen Raupen von Weinschwärmer und Co. im Garten bewundern möchte, muss auch den erwachsenen Faltern das Überleben sichern“, ist Maxi Boroncyk überzeugt. Leuchtdioden und Kaltlichtleuchten sollten Glühlampen und Leuchtstofflampen ersetzen. „Die verbrauchen zudem viel weniger Energie“, verrät die Dresdnerin, weshalb es sich auch finanziell lohnt, auf falterfreundliche Beleuchtung umzustellen. Das Lampen nur solange brennen, wie nötig, hält sie ohnehin für selbstverständlich.

Auch das Büro von Christoph Hein hilft Gartenbesitzern, die das „Naturwunder Schmetterling“ im eigenen Umfeld erleben möchten. Gartenberatung und Gartenplanung mit Rücksicht auf die Falter sei eine ihrer leichteren Übungen, sagt Maxi Boroncyk lächelnd. Und damit die schmucken Insekten auch die kalte Jahreszeit im Hausgarten überleben ergänzt Martin Eckardt noch einen Pflegetipp: Staudenstängel und Äste sollten erst im Frühjahr entfernt werden, schließlich dienen sie vielen Larven als Winterquartier. Und auch nach der kalten Jahreszeit gehören die abgestorbenen Pflanzenreste nicht verbrannt. Sie dürfen an einem geschützten Platz wieder zu nahrhaftem Humus werden. In einem sind sich alle Gartenberater einig: Ein Faltergarten lässt sich planen – wenn es auch nicht reicht, für Blütenpflanzen als Falterfutter zu sorgen. Selbst wenn die wirklich seltenen Schmetterlinge nur in den Garten zu locken sind, wenn die Umgebung passende Lebensräume bietet, so ist es mit einer gezielten Pflanzenauswahl relativ leicht, wenigstens die häufigeren Arten anzuziehen. Wer Glück hat, findet sogar im Gemüsebeet eine Raupe des schönsten heimischen Schmetterlings: Gar nicht so selten legt der Schwalbenschwanz seine Eier an Möhren- oder Fenchelgrün ab. Und wer würde es den attraktiven Raupen missgönnen, dass sie sich schon mal vorab an der Gemüseernte beteiligen. Quelle:gartenberatung.info

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